Motorstorm: Apocalypse im GameTest

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Motorstorm ist wieder da und verspricht diesmal epischer als jemals zuvor zu sein. Die nun mehr zweite Fortsetzung des Playstation 3-Urgesteins lässt hoffen, sind doch die beiden vorigen Teile gut bei den Fans angekommen. Die Evolution Studios haben sich wieder ordentlich ins Zeug gelegt und bringen euch Motorstorm: Apocalypse. Ob das Spiel apokalyptisch oder segenbringend ist, erfahrt ihr in unserem Review dazu.

Fragen über Fragen
Selten passte der Spruch „Der Sprung ins Kalte Wasser“ besser, als bei Motorstorm: Apocalypse. Ohne zu wissen, was eigentlich los ist, gerät der Spieler in die Szenerie. Das Intro, welches normalerweise dazu dient, auf die Stimmung des Spiels einzustimmen und auf das Setting hinzuweisen, wurde hier komplett zum Stilbruch. Man erinnere sich an den ersten Teil, der stimmiger nicht hätte sein können, als die Kamera bei Sonnenaufgang über das Monument Valley auf das Festival schwenkt. Die Referenz mag jetzt vielleicht ein wenig gewagt sein, jedoch erinnert das das neue Intro stark an den ersten Driver-Teil. Für alle, die diesen nicht als Bestandteil ihrer Kindheit kennen, hier die Aufklärung: Comicartige Collagen aus Fahrzeugen und einer schwer zu erkennenden zerstörten Umgebung im Stil schriller Farben untermalt mit Musik aus den „Wah-Wah“-Zeiten gilt es zu betrachten. Weder zum Inhalt noch zur Umgebung wird hier ein Wort verloren und so geht’s direkt ins Hauptmenü. Wer hier nicht mal zum Handbuch greift – und wer tut das bei einem Rennspiel á la Motorstorm eigentlich? – wird nicht wissen, dass sich „Die City“ vor dem schwersten Erdbeben aller Zeiten befindet und die Motorstormer dies als Gelegenheit nutzen, hier mal ordentlich die Sau rauszulassen. Wieso, weshalb du warum, das bleibt gänzlich außen vor. Nach Wüsten, Canyons, Vulkanen und Stränden nun also eine Stadt? Wir werden sehen.

Das wie eh und je spartanisch gehaltene Hauptmenü bietet die Optionen, direkt ins Festival zu springen, erst einmal eine Runde auf eigene Faust zu drehen, individuelle Optionen im „Mein Motortsorm“ anzupassen oder allgemeine Optionen zu ändern. Begleitet werdet ihr dazu von stimmiger Musik und einem Comic-Strip-Hintergrund, der euch die Stadt zeigt und gleichzeitig stark an den Stil von Infamous erinnert. Natürlich juckt es in den Fingern und es geht direkt mit dem Festival los. Und siehe da: Motorstorm hat eine richtige Story spendiert bekommen! Die Anonymität wurde abgelegt und so gibt es sogar richtige Charaktere. Auch hier ein Stilbruch, der erst einmal hoffen lässt. Was sofort auffällt ist leider auch hier wieder die gewollt lässige Sprache, die in der deutschen Synchronisation aber gänzlich in den Ofen schießt. Der erste Charakter, den man sozusagen spielt, zeichnet sich vorrangig durch eine schrille bis grauenhafte Stimme aus, der nicht jeder Spruch flüssig von den Lippen geht. Vielleicht ist das aber auch gewollt, den die erste Kampagne beschränkt sich auf die Anfänger des Festivals und lässt den Spieler deren Rennserien durchleben. So gibt es vor den eigentlichen Qualifikationsrunden zunächst ein vernünftiges Intro, welches quasi selbst gesteuert wird. „Mash“ fährt mit den anderen Motorstormern von einem alten Flugzeugträger aus, der den Fahrern als HQ dient, zum ersten Event und durchquert dabei einige Teile der Stadt. Dies verschafft so einen ersten Eindruck von der Szenerie.

Wichtig ist an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass die gesamte Story aus den Augen von „Cutter“ erzählt wird, dem Kameramann. Er zeigt uns vor jedem Rennen Ausschnitte aus dem Zusammensein der Motorstormer und beschreibt so aus den drei Perspektiven – Anfänger, Profi und Veteran – das Event.

Motorstorm durch und durch
Das Gameplay ist dabei nahezu unverändert und hat erfolgreich alle Neuerungen des Vorgängers übernommen. Klassischerweise gibt es immer noch Boost, der auch immer noch überhitzen kann, und die Rammoptionen aus Pacific Rift. Die Biker können nach wie vor Schlagen und es geht ebenfalls nach wie vor darum, zu siegen. Soweit erst einmal alles beim Alten. Neu ist, dass die Fahrzeugauswahl nicht mehr am Spieler hängt, sondern nun vorgeschrieben ist. Das Repertoire wurde hier noch einmal aufgebläht und so gibt es nun eine ganze Stange an Fahrzeugtypen. Quads, Speedbikes und Chopper sowie Supercars, LKWs und Buggies seien hier nur als Beispiel genannt.  So hat jedes Event eine Vielzahl an unterschiedlichen Gegnern auf verschiedenen Fahrzeugen und die Herausforderung ist es, neben der richtigen Strecke auch den richtigen Einsatz des Fahrzeugs herauszufinden.

Das Finden der richtigen Strecke ist deshalb genannt – und die alteingesessenen Motorstormer unter euch wissen das bereits – weil es bei Motorstorm keine klassische Streckenführung in dem Sinne gibt. Der Weg ist in diesem Chaos unter anderem das Ziel und ich erlöse den gespannten Leser nun von dem Leid, welches ihn plagt, da er immer noch nicht weiß, was denn nun für Strecken zur Auswahl stehen. Die Stadt war seitens der Evolution Studios nur ein Hinweis auf die ungefähre Umgebung. Tatsächlich handelt es sich hier also um Strände, Piers, Autobahnen, Brücken, Vororte und Inner Cities. Diese jedoch wurden alle durch das Erdbeben und die Massenflucht in Mitleidenschaft gezogen, wobei nur einige Militärs und ein paar kaputte Zuschauer das Festival sozusagen mitverfolgen. Da Nach- und Vorbeben nach wie vor wirken, verändert sich diese Umgebung ständig, was ebenfalls einen essentiellen Bestandteil der Renngestaltung ausmacht. Einstürzende Türme und Häuser, zusammenfallende Brücken und Kräne und allerlei andere spektakuläre Ereignisse erfordern Reaktionsvermögen und Kreativität. So gibt es quasi von jeder Map verschiedene Varianten, die in der Kampagne je nach Schwierigkeitsgrad freigeschalten werden wollen.

Aber Rennspiel ist nicht gleich Rennspiel
Bevor nun also notwendigerweise an dieser Stelle auf die Steuerung eingegangen wird, muss noch ein Wort zum Spielprinzip verloren werden: Motorstorm funktioniert nicht nur durch diese Aspekte nicht wie ein normales Rennspiel. Zeit rausfahren oder Vorsprung offline einfahren ist nicht möglich. Die Gegner bleiben immer in der Nähe, ob das immer mit rechten, also in diesem Fall fairen, Dingen zu geht, ist nicht klar. Andererseits ist das natürlich auch ein Vorteil, da es so quasi unmöglich ist, weit zurückzufallen.

Die Steuerung stellt auch hier einen wichtigen Parameter der Bewertung dar. Wichtiger umso mehr, da sie hier zum zentralen Bestimmer von Spielspaß und –Erlebnis wird, gerade bei Motorstorm: Apocalypse. Die immer noch recht indirekte Steuerung macht es nicht immer einfach, dem Spielgeschehen entsprechend zu reagieren und so passiert es auch oft, dass man durch marginale Bewegungen großen Schaden hervorruft und oft zurückgesetzt wird, was natürlich Positionen kostet. Des Weiteren ist an diesem Punkt nichts weiter zu bemängeln oder allgemein zu bewerten, das die Möglichkeiten bei einem Rennspiel á la Motorstorm recht eingeschränkt sind.

Grafisch dagegen fährt Motorstorm: Apocalypse meistens vorne mit. Texturen, Weitsicht und Abwechslung überzeugen, der Detailgrad dagegen lässt manches Mal zu wünschen übrig. Jedoch muss man bei einem Rennspiel Prioritäten setzen und realtitätsnahe Gräser wie bei flower gehören sicher nicht dazu. Die dynamische Umgebung tut ihr übriges und fasziniert mit Realismus und Einfallsreichtum. Als kleiner Leckerbissen sei hier ein Rennen durch eine einstürzende Reihe von Hochhäusern erwähnt. Und die Betonung liegt auf dem Wörtchen durch, denn man fährt tatsächlich durch Büros, sich verschiebende Etagen du schlussendlich auf kippenden Dächern. Das ganze Ruckelfrei prsäentiert sorgt auf alle Fälle für ordentlichen Spaß. Der explodierenden Autos und die Ragdolleffekte umherrennender Zuschauer und crashender Motorrad-Fahrer runden das ganze Erlebnis noch ab.

Mein Motorstorm bietet hier den Einstieg ins Online-Geschehen und wartet mit einer Reihe netter Extras auf. Von einer ganzen Auswahl an Charakteren, über eine Vielzahl an Modifikationen für alle Klassen an Fahrzeugen, z.B. individuelle Lacke, spezielle Teile und andere nette Spielereien, bis hin zum In- und Export eurer Ideen ist alles mit an Bord.

Als ob das Paket so noch nicht voll genug wäre, setzen die Evolution Studios noch was drauf. Splitscreen-Onlinerennen, Modus-Editor zum Erstellen eigener Events und die klassische Lobby haben hohes Potential für eine Langzeitmotivation und zeigen, dass man sich hier wirklich Gedanken gemacht hat. Die Chips stellen dabei eine weitere neue Idee dar: Stunts und Takedowns anderer bringen Chips, ebenso wie Wetten gegen Gegner.  Pro Glückssträhne gibt’s darauf sogar noch einen Multiplikator. Hört die Glückssträhne auf, gehen Chips verloren. Eine andere Möglichkeit, sein Guthaben zu dezimieren ist, dieses für Gegenstände und zum Aufstieg von Rängen zu verwenden.

FAZIT

Die Evolution Studios haben ihre Hausaufgaben definitiv gemacht. Das Feedback der Käufer wurde gehört und größtenteils wurden nicht nur Fixes, sondern auch wirklich tolle Neuerungen implementiert. Da Motorstorm: Apocalypse ein Arcade-Racer ist, fällt auch nicht weiter ins Gesicht, dass unrealistisches Gegnerverhalten hier den Spielspaß trüben kann. Action, Fun und jede Menge Individualisierungsmöglichkeiten bieten einen soliden Spielspaß, wobei hier für eingefleischte Motorstormer mehr Potential besteht, als für Neueinsteiger.

 


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